Jan Philipp Zymny – Der Sieger des Slam2013 im Interview

Slammer kann man das fragen: Wo bist du gerade?

Momentan befinde ich mich in einem ICE auf der Fahrt von Erfurt nach Bochum. Nicht so spannend, ich weiß. Aber es ist ganz lustig die schnatternde, Sekt trinkende Gruppe Mittvierzigerinnen, die mir schräg gegenüber sitzt, zu beobachten und dabei ganz laut Manowar zu hören.

Du hast einen beachtlichen Aufstieg in der Slamszene hingelegt, wurdest direkt bei deiner dritten Teilnahme bei den Meisterschaften Vizemeister und ein Jahr später nun Meister. Wie wird man so gut?

Weiß ich nicht. Das hab ich ja auch gar nicht entschieden. Ich hab mich ja nicht hingesetzt und gesagt: „So, ich werde jetzt bei meiner dritten Teilnahme bei den Meisterschaften Vizemeister und ein Jahr später Meister.“ Ich wollte eigentlich immer nur meine verrückten Geschichten mit den Leuten teilen und die haben dann entschieden, dass sie das mögen. Da hab ich schlicht und ergreifend Glück gehabt. Mir macht es einfach Spaß, mir eine Geschichte/einen Text auszudenken und den dann mit Händen und Füßen auf der Bühne zu erzählen.

Sicher bist du jetzt erst recht viel unterwegs, wirst du mittlerweile mit Anfragen überschüttet? Wie fühlt es sich an, die Meisterschaften zu gewinnen?

Das stimmt. Ich bin jetzt sehr viel unterwegs und es kommen sehr viele Anfragen. Ich bin nur froh, dass ich selbst steuern kann wie viel ich davon tatsächlich wahrnehme. Nur weil man angefragt wird, muss man ja noch lange nicht zusagen. Obwohl ich schon sehr viel auftrete, aber alles wahrzunehmen ist schlicht unmöglich.

Wie es sich anfühlt die Meisterschaften zu gewinnen? Das ist überwältigend! Der Umstand an sich ist ja schon unfassbar, aber dass man sofort die ganzen wunderbaren Menschen aus der Poetry Slam Szene um sich hat, die sich mit einem freuen, ist einfach nur fantastisch. Ich wusste in dem Moment gar nicht so genau, was ich tun sollte, was man mir, glaub ich, auch angemerkt hat. Da tat es sehr gut, die Leute bei sich zu haben. Danke, Freunde!

Wie immer wurde sehr viel getippt, wer Frau/Herr über Ostwestfalen werden könnte. Mal ehrlich, wie hast du selbst deine Chancen eingeschätzt?

Ganz ehrlich hab ich mir da im Vorfeld keine Gedanken drüber gemacht, wie weit ich komme. Die Meisterschaften sind an sich schon immer mein persönliches Highlight des Jahres – diese große, verrückte Klassenfahrt aus Poetry Slammern!

Auf der anderen Seite, würde ich aber lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht in jeder Runde gezittert habe, ob ich denn weiterkomme oder nicht. Man möchte natürlich gerne weiterkommen, auch wenn der Wettbewerb beim Slammen viel eher ein Spiel als ein echter Wettbewerb ist.

Dass ich dann am Ende mit 0.1 Punkt vor Lars Ruppel lag, ist ja wohl die reine Willkür!

Fühlst du dich durch den Sieg jetzt mehr unter Druck gesetzt?

Nö, wieso? Ich hab vorher meine Nonsens-Geschichten und Quatsch erzählt und werde auch weiterhin meine Nonsens-Geschichten und Quatsch erzählen. Und was da noch in Zukunft auf mich zu kommt, oder welche Anforderungen an mich dadurch an mich gestellt werden, dass lass ich einfach mal auf mich zu kommen. Da freue ich mich schon drauf.

Wohin geht’s nach dem Meisterschaftssieg, wie stellst du dir deine Zukunft vor, wo willst du hin, was hast du noch vor? Gibt’s als nächstes den Team-Sieg mit deinem Team 101?

Das sind aber ganz schön viele Fragen auf einmal. Dann versuche ich auch sie alle auf einmal zu beantworten: Meine Zukunft stelle ich mir so vor, dass ich Bücher schreiben, meine Solo-Shows vor Publikum spielen und nach Herzenslust slammen kann und davon sogar meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Das ist mein größter Wunsch und da will ich hin. Nach dem Meisterschaftssieg versuche ich jetzt den Schwung zu nutzen, um darauf hin zu arbeiten.

Ansonsten hab ich vor mal ein Theaterstück zu schreiben und auf die Bühne zu bringen und die ganzen Projekte zu verwirklichen, die man sich hin und wieder mit seinen Slam-Kollegen halt so ausdenkt. Außerdem möchte ich schmieden lernen. Das ist etwas, was mich schon immer interessiert hat.

Zum Thema Team-Sieg kann ich nur sagen, dass ich es mir auf jeden Fall sehr wünsche und dass wir daran arbeiten werden.

Sehen wir dich denn im Herbst 2014 als Titelverteidiger in Dresden?

Aber hallo!

Ein Wort zum Schluss:

Darf ich mir eins aussuchen? Irgend eins? Dann nehme ich: Knurrhahn. Das ist ein schönes Wort.

 

 

Foto von Sven Stickling

Gepostet am
Von André Herrmann