Bo Wimmer tippt den SLAM 2014: Einzel Vorrunde 2

Keiner tippt die Runden besser, keiner ist dabei so eloquent und niemand kann solche Haare besser tragen. Wenn es einen Menschen gibt, der sich freimütig Slam-Spezialist nennen darf, dann ist es der Marburger Slammer und Moderator Bo Wimmer.

 

Bereits 2012 und 2013 hat er sich hingesetzt und sich akribisch mit den Runden der Slam-Meisterschaften auseinandergesetzt, hat Favoriten ausgemacht und dabei die ein oder andere Anekdote preis gegeben.

 

Wir freuen uns, dass sich Bo in diesem Jahr dazu bereit erklärt hat, für uns die Einzel und Team Runden des SLAM 2014 zu untersuchen. Ihn selbst erleben kann man unter anderem als Conférencier bei der Verleihung der SLAM 2014 Awards am Freitag, den 31. Oktober 2014 ab 00.30 Uhr in der Scheune.

 

Weiter geht’s mit Einzel Vorrunde 2 (Mi, 29.10., 19.00 Uhr, Filmtheater Schauburg)!

Runde 2 – Sehr interessant!

 

Vorrunde 2, zeitgleich zu Vorrunde 1 und schon das immergleiche Problem: Was gucken? Und dann ist da auch noch Runde 3! Auch zeitgleich! Ich sag mal, ich geh in Runde 2. Warum? Ich bin alt und bei Weitem nicht so sensationslüstern, um in Runde 3 irgendeinen Favoriten stolpern sehen zu müssen, und hier, in Runde 2. da hab ich wirklich gar keine Ahnung was passieren könnte.. drum interessant, drum hin! Moderiert wird das Ganze von Felix Römer und Dominique Macri, und schon kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen!

 

Thomas Langkau — 8 Minuten Eimsbüttel
Thomas Langkau ist vielleicht nicht den meisten ein Begriff, weil er nicht so viel rumfährt, außer mit seinem Motorrad, aber der Mann, unter uns, ist St. Pauli-Legende. Er ist klug, unaufdringlich und meistens gut gelaunt, und einer der wenigen, die älter sind als ich. Seine Texte sind ehrlich, wahr und nie publikums-anbiedernd, eine künstlerische Haltung, die ihn nicht so oft ins Halbfinale lässt, wie er es verdient hätte, aber Respekt verdient, und den hat er. Ich sage, liebe U20-Slammer, geht hin und schneidet Euch ‘ne Scheibe ab, dann besteht wieder Hoffnung.

 

tba — LM Thüringen
Sind wir ehrlich, wer soll denn bitte Thüringen-Meister werden? Aida organisiert und hat schon ‘ne Startplatz, Bleu Broode? Macht der überhaupt mit? Hat Jena Nachwuchs? Keine Ahnung, vor der Durchreglemetierung der Landesmeisterschaften haben glaub ich Volker Strübing und Katja Hoffmann gewonnen, aber egal, ich sage die harte Wahrheit, Thüringen wird dieses Jahr keine Rolle spielen, außer vielleicht beim Dance Slam.

 

tba — Ö-Slam
Österreich! Du Donau-Perle! Österreich, was lieb ich Dich! Du verführst mich zu Mozartreimen! Das viele Österreicher leider auf den Wettbewerb scheißen, ist natürlich auch wieder wahr, was dazuführt, dass seit Yasmin Hafedh da auch nicht mehr so viel passiert ist. Dieses Jahr aber scheint Österreich alles nach Dresden zu schicken, was das Kaiserreich glücklich machen könnte, Hafedh, Medusa, Tomic Hirschl! Ö-Sieger sollte also entweder Lederwasch oder der gute alte Concerto werden, damit die Mannschaft steht. (Kleine Frage ans Regelwerk: Österreich hat doch garantierte Startplätze. Wenn jetzt die Landesmeisterschaft ein Startplatzinhaber gewinnt, rutscht dann der nächste österreichische Slam nach, oder wer? Verliert Österreich so einen garantierten Startplatz? Hab ich da ne Lücke entdeckt? – Antwort vom SLAM 2014: Das dürfen die Österreicher höchstselbst entscheiden, wir mischen uns nicht ein.)

 

Sim Panse — satznachvorn Aachen
Ja, die jungen Wilden, die sich nach Affen benennen. In meiner Jugend wollte man aussehen wie einer, aber doch nicht so heißen! Sim Panse wohnt in Köln in einer Slammer-Liebes-Gemeinschaft, wenn ich mich nicht irre, und ist eindeutig “son of a preacher man” , startet auch im Team “Brave New Word”, das eindeutig sozialkritisch und gut ist, und so ist er auch. Reißen kann er auch was, aber hier? Na, entweder er zieht seine junge Wildheit durch und startet ebenso, oder, wahrscheinlicher, er darf den alten Hasen zu gucken und lernen.

 

Daniel Hoth — Saalslam Berlin
Hohenschönhausen. Na, wer weiß, wo das ist? Da kommt er her, der Daniel Hoth, Schnellsprecher und supercool. Mikrokosmos im Team und mit Sim Panse, sollte meine Klatschquelle aktuell sein, heißer Anwärter auf den Slammy-Award des heißesten Slam-Paares. Daniel war schon Berlin-Brandenburg-Meister, im Einzel- und Team-Finale, wenn ich mich nicht irre und haut Alles unter 180 (Wörter pro Minute) einfach weg. Ja, guckt ihn euch an, das ist die Latte, da müsst ihr drüber, wenn ihr hier ins Halbfinale wollt!

 

David Gerhold — Wortwäsche Slam Magdeburg
Magdeburgisieren ist ein Wort aus dem 30-jährigen Krieg, was soviel bedeutet, wie etwas dem Erdboden gleichmachen und alles kaputt bzw. tot, so wie eben Magdeburg damals. Der Humor von David Gerhold ist da ähnlich, sich spiegelnd in den Styling-Produkten, die seine Frisur magdeburgisieren. Aber ernsthaft, der gebürtige Dortmunder macht eben Witze und lässt sich auch von niemanden reinreden, dem das zu platt ist (s. “Das ist Literatur, Du xxx!”). Ich hatte persönlich noch nicht das Vergnügen, auch wenn ich mich da gerne irre, aber hier wird er rausfliegen, außer die Schauburg liegt im ersten Höllenkreis des Comedy Slams, dann vielleicht doch, und dann werde ich mich auch versuchen zu freuen.

 

Sven Kemmler — Substanz Poetry Slam München
Sven Kemmler hingegen besticht mit einem feinen Humor, der bayrisch-charmant durchs Hintertürchen kommt. Der Mann lebt vom Humor und somit isst er 3-Sterne (für Kostverächter: 3 Sterne sind bei mir das Höchste!). Der Substanz Slam weiß schon, wen er da schickt, und wenn er nicht weiterkommt, dann wundere ich mich doch sehr!

 

Nils Früchtenicht — Slamrock Kassel
Nils lebte in Kassel, jetzt entweder in Oldenburg oder Lüneburg, traurige Orte vermeide ich auch in meinen Gedanken, aber er war im finalen Stechen des Hessenslams. Bei diesem einen Text, den alle kennen, reden manche von emotionaler Erpressung, was aber nichts daran ändert, das der Text einfach gut ist. Und so sehr ich es mir auch wünsche, weil Nils ein ganz wunderbarer und weltoffener Mensch ist, sag ich doch, hier endet die aktive Teilnahme am SLAM 2014. Sein Sujet ist zu schmal, und wer noch kommt, zu krass. Trotzdem LOVE! XOXO!

 

Hazel Brugger — Dichterschlacht Biel
Die Dichterschlacht in Biel ist vielleicht der schönste Slam der Welt, die Location, die GastgeberInnen, der Fotograph (Frank Nordmann, siehe oben “Bo mit wehendem Haar”), die Stadt, die Menschen und ihre Starterin Hazel Brugger! Hazel ist das hochbegabte Wunderkind der Schweizer Slam-Szene. Sie wird getätschelt und geknuddelt, weil sie niemals irgendetwas anderes machen soll, weil sie schön ist, und so unheimlich witzig und dabei so unheimlich klug! Sie schreibt Kolumnen, sie war bereits mehrmals im Schweizer Fernsehen zu bewundern, sie hat 3 Staatsbürgerschaften, 2 Länder waren einfach zu klein für H.B., sie ist eine der angenehmsten Reisepartnerinnen der Welt, ihr Herz ist fundamental riesengroß und letztes Jahr war sie schon im Finale, vollkommen zurecht. Ihr Humor beweist, dass intelligentes Leben möglich ist, auch auf Slambühnen, steht über jedem Gender-Klischee und nicht mal die größten Idioten finden ein krummes Haar an ihr (weil da keines ist). Ich verbeuge mich, so tief, wie es ein mein Alter zulässt.

 

Tobi Katze — Sprechreiz Slam Herne
Tobi “Sauron-Horst Lusebrink” Katze (wenn ihm der Name nicht zu peinlich ist, ist er mir auch nicht zu peinlich, obwohl es nicht leicht war, dem geneigten Leser das Ungetüm zu präsentieren) kommt ebenfalls aus Dortmund (s. Gerhold, David) und lebt von seiner Depression. Das ist ziemlich schön, denn so mancher stirbt daran. Daher kennt ihn vielleicht auch der eine oder andere, aus Magazinen, die im Zug liegen (die BILD ist kein Magazin!). Glauben Sie mir, ich kann keinen Witz über Depression machen, den er nicht schon besser gemacht hätte! Sie finden das traurig? Er auch! Haha! Er wird es sehr schwer haben in dieser Runde, aber ich, Sauron-Horst, werde da sein und Dich auffangen! Warum? Weil i di mog!

 

Christoph Krause — Poetry Slam Tübingen
Der Mann ist die baden-württembergische Version von Franz-Josef Strauß. Er schreit hauptsächlich, aber das doch gekonnt. Seine Bühnen-Figur, die des kleinen Mannes, der sich über Afghanistan, Kapitalismus und Politik und dergleichen maßlos aufregt. Ich habe ihn leider noch nie gesehen, aber wer zweimal ins BaWü-Finale kommt, kann per se schon mal nicht so schlecht sein. Comedy-affines Publikum wird ihn lieben, mir sind seine Texte noch nicht dicht genug und leben zu sehr von der Rolle, zumindest was youtube da für mich bereithält, aber wie gesagt, das kann schon mal klappen, guter Startplatz, richtiger Moment und flutsch! Halbfinale! Wir werden sehen, ich bin gespannt!

 

Sebastian Lehmann — Bastardslam Berlin
Der Bastard Slam schickt natürlich nur Könige ins Rennen um die Krone. Herr Lehmann ist allen von der Lesedüne ein Begriff, oder von seinen Büchern. Außerhalb Berlins trifft man ihn selten, dort ist es einfach zu schön, aber wenn man ihn mal trifft, im schönen Freiburg oder sonstwo, dann schießt er Alles ab, was bei Lucky nicht in der Luke ist. Nicht umsonst ist die Lesedüne einer der besten Lesebühnen des Landes. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, wo liegen Herr Lehmanns Ambitionen? Will er hoch hinaus, dann wird er das wohl schaffen, und warum sollte er sonst hier teilnehmen? Wo er ist, ist er eine Gefahr, auch hier, drum kommt er auch weiter!

 

Meine Favoriten fürs Weiterkommen:
Kemmler, Brugger, Lehmann

 

Bo Wimmer

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Gepostet am
Von André Herrmann